
Ab dem 19. Januar 2004 ist das neue Messgerät von LiveScan OneTouch® UltraSmart TM auch in Deutschland zu bestellen.
Mit einer nichtssagenden Pressemitteilung wurde uns das Bild, hier rechts zu sehen, übermittelt.
Auf Nachfrage wurde uns aus Neckargemünd mitgeteilt, daß es kein für Deutschland modifiziertes Modell gibt. Man war auch nicht in der Lage eine deutsche AusleseSoftware zu bieten. Leider bleiben also die im Testbericht, den wir schon im Herbst 2003 veröffentlichten, aufgeführten Mängel auch für das in Deutschland vertriebene Messgerät OTUS erhalten.Schade, daß LiveScan, bei einem im Ansatz guten Messgerät, weder Willens noch in der Lage ist, etwas zu verbessern und so den in Deutschland höheren Theapiestandards nicht gerecht wird.
Im Frühjahr 2004 wird ein neues Meßgerät auf dem deutschen Markt erscheinen.
Soweit so gut, wird sich mancher denken. Allerdings lohnt sich bei diesem Exemplar ein näherer Blick.
Es handelt sich um den OneTouch Ultrasmart (OTUS) der Firma Lifescan USA , das es seit gut einem Jahr schon in den USA gibt. Es ist ein Meßgerät mit integriertem elektronischen Tagebuch. Wer an eine Verwandtschaft mit dem OneTouch Ultra (OTU) denkt, liegt damit nicht so falsch. Das Meßsystem ist unverändert vom OTU übernommen worden. Man hat es aber um eine Datenbank für die Blutzucker-Meßwerte und für manuell einzugebende Tagebuchdaten ergänzt.Ich habe mir das Gerät aus Übersee schicken lassen und nutze das OTUS seit etwa vier Monaten. Weil ich in letzter Zeit ein großer Tagebuchmuffel war, wollte ich es unbedingt haben. Der Wille, Tagebuch zu führen war meistens da, aber er scheiterte immer dann, wenn das Tagebuch nicht sofort zum Eintragen präsent war. Aus diesem Grund habe ich in der Zeit vor dem OTUS vermehrt mit dem AccuChek Complete (ACC) gearbeitet, denn da konnte man gleich nach dem Messen - wenn man auch die Mehrzahl an Therapieentscheidungen trifft - die Daten relativ leicht erfassen. Bald war ich allerdings genervt von den unüberlegten Ausführung und konstruktiven Nachteilen des Geräts mit nur drei Tasten.
Das OTUS hat viele Vorteile. Fünf Sekunden Messdauer, mehrere gut durchdachte Bedienknöpfe, die ein sofortiges Aufrufen der wichtigen Menüpunkte erlaubt und durchweg findige Einzelheiten, wie eine mit nur einem Knopfdruck einschaltbare Beleuchtung. Dazu ist es noch sehr klein und hat eine hohe Displayauflösung. Wie das ACC bietet auch das OTUS eine Unmenge Statistiken und Auswertungen.
Wer schon heute die Leistungsmerkmale des USA-OTUS sehen will clix bitte hier.
Wen das englische Handbuch interessiert clix bitte hier. Den Quick Start Guide gibt´s hier auch in englisch.Aber eines hat es erreicht: Ich führe wieder Tagebuch, wenn auch elektronisch!
Selbst das Eingeben von Daten ohne vorherige Messung wird von mir nicht vergessen, weil ich das OTUS ständig dabei habenkann und die entsprechenden Eingabemenüs mit nur einem Knopfdruck eingeschaltet werden und die Dateneingabe damit relativ schnell vonstatten geht.
Das OTUS ist natürlich auch keine Wunderwaffe ohne Nachteile. Ein temporärer, aber im Moment nerviger Nachteil ist das fehlen einer deutschen Software zum Auslesen und Archivieren der Daten. Die amerikanische Software läuft leider nicht auf deutschen Rechnern. Dieses Problem sollte aber mit Einführung des OTUS in Deutschland gelöst sein. Dann wird hoffentlich auch eine deutsche Software-Version verfügbar sein.
Ein weiterer und beständiger Nachteil sind natürlich die zu kleinen Lifescan-Teststreifen, da haben die Teststreifen von Roche für das ACC mit der seitlichen Rundung natürlich klar die Nase vorn.Michael Rösch, im August 2003, Maschinenbaustudent
Auch Anja Länge hat sich das OTUS aus den USA importiert und seit Monaten im Gebrauch.
Sie sieht folgende-
Vorteile:
- das meiner Meinung nach derzeit beste Testgerät mit Tagebuch-Funktion
- klein & leicht (es gab schon vorher Geräte mit ähnlichem Funktionsumfang, die aber wegen Größe, Gewicht oder Blutmenge nicht so alltagstauglich waren)
- schnell und braucht wenig Blut
- beleuchtetes Display auf einen Tastendruck (gerade für Leute mit leichten Sehschwächen optimal)
- intuitiv nutzbare Menüführung
- PC-Auswertung
Nachteile:
- schlechte Umsetzung zur Erfassung CSII-relevanter Details
- Das OTUS kann die Gesamtinsulinmenge der Basalrate als Eingabe annehmen, dies muß dann auch jeden Tag wieder vorgenommen werden.
Ich hätte gern die Basalrate in 24 Schritten pro Tag und ggf. auch als permanente default-Einstellung einer einmal eingegebenen Basalrate, falls ich es nicht von Hand ändere- außerdem sollte es das Datum der Änderung und den Verlauf speichern, so daß man Übersichten über den Verlauf der Basalratenänderung bekommen kann.
- es gibt keinen brauchbaren Event-Typ für Katheter-, Ampullen-, Batterien- wechsel, Katheterabzess, temporäre Basalraten-Erhöhung, Absenkungen der Basalrate, Pumpe zeitweise abgelegt u.ä. (der einzig passende wäre sonstiges)
Wenn solche Dinge fehlen fragt man sich für welchen Diabetestyp diese Tagebuchfunktion gemacht wurde.
Gerade den Pumpenpatienten wurde hier nicht genügend Aufmerksamkeit geschenkt.
- keine Eingabe systolischer Blutdruckwerte unter 80 mmHg (das Gerät stammt aus den USA und nur in Deutschland ist Hypotonie eine "Krankheit", vielleicht wird das ja vor der dt. Markteinführung den hiesigen Gegebenheiten angepaßt)
- lausig und ineffizient konzeptionierte Auswerte-Software
- während sich ein ebenfalls neues Gerät wie das Ascensia Contour mit einer bewußt einfachen Bedienung klar an eine Gruppe richtet, die keine hohen Ansprüche an ihre Protokollführung hat und nicht viel Zeit aufwenden will, ist ein Gerät wie das OTUS eigentlich für Leute sinnvoll, die bei ihrer Therapie ein erhöhtes Datenaufkommen haben und dieses auch brauchen, also meines Erachtens insbesondere Pumpenträger
- die Software fasst die Daten allerdings in einer Form zusammen, wie man sie als Pumpi nahezu nicht gebrauchen kann. Es können Unmengen Typ2-typischer Medikamente eingegeben werden, allerdings nicht die Basalrate in einer 24h-Form; Ereignisse wie Katheter- und Ampullenwechsel müssen mit Wurg-Arounds eingegeben und ausgewertet werden
- es kann kein Tagesprofil in 24h-Format ausgegeben werden -> Basalratentests gehen im Datenmüll verloren etc pp.
Wäre der Hersteller flexibler, würde er für das OTUS wie für seine restlichen Geräte die CommunicationSpecifications (Details zum Ansprechen des Gerätes über die Schnittstelle des PCs) veröffentlichen, so daß motivierte Diabetiker sich etwas besser passende Software selbst schreiben könnten.
Ich halte das OTUS nach wie vor für das z.Zt. beste Gerät, allerdings lösen die o.g. Punkte bei mir doch häufiger Verärgerung aus. Wenn die Punkte nicht verbessert werden, ist es bald nicht viel mehr als ein kleines, aber teures Testgerät mit dem Vorteil eines beleuchteten Displays.
Anja Länge, im August 2003, Medizinstudentin