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Zur Geschichte der Erkrankung

Vor Einführung der Insulintherapie war ein Diabetes-mellitus vom Typ 1, keine, oder nur sehr geringe Insulineigenproduktion eine fast immer tödlich verlaufende Krankheit.

Es dauerte über 2000 Jahre, um diese Erkrankung zumindest in groben Zügen zu verstehen und zu behandeln. So konnten große wissenschaftliche Erfolge erzielt werden. Trotzdem sind bis heute noch viele Fragen offen.

In alten ägyptischen Texten, zum Beispiel im Papyrus Ebers ca. 1550 v.Chr., wurden Rezepte für Diätmaßnahmen die einen "Überfluß an Harn" beeinflussen sollten veröffentlicht.

Ob dieser "Überfluß an Harn" einen Hinweis auf eine diabetische Erkrankung darstellt, ist unter den Historikern umstritten.

In altindischen Texten ca. 300 v.Chr. bis 600 n.Chr. gibt es relativ sichere Hinweise auf das Vorhandensein von diabetische Erkrankungen. Ob die Ärzte damals bereits den Zuckergehalt im Urin von Diabetikern erkannt haben ist unter Experten strittig.

Der griechische Arzt Aretaios von Kappadokien (ca. 80 - 130 n.Chr.) nannte als erster diese Erkrankung Diabetes. Das Wort bedeutet "entleeren" oder "hindurchlaufen" Die Worte Diabetes mellitus bedeuten so viel wie "durchfließen mit Honig gesüßt".

Laut Aretaios war die Ursache von Diabetes eine akute Erkrankung des Magens, folglich bezogen sich seine Therapievorschläge auf Mittel die den Magen "reinigen" sollten, auf Mittel die äußerlich auf den Bauch zu legen waren und auf Einhaltung einer Diät. Er empfahl Milchkuren, reinen Wein, Backobst und Abführmittel.

Der Arzt Galen, wahrscheinlich einige Jahrzehnte nach Aretaios geboren, vermutete eine Krankheit der Nieren als Grund für einen Diabetes.

Erst Paracelsus (1493 - 1541) stellte neue Theorien über die Ursache des Diabetes auf. Paracelsus war der Ansicht das die Zusammensetzung des Blutes bei Diabetikern verändert war.

Der englische Arzt Thomas Willis (1621 - 1675) hat als erster über den honigartigen Geschmack des Urins von Diabetikern berichtet.

Dem Arzt Dobson gelang es im Jahre 1776 aus Urin von Diabetikern einen Rückstand zu gewinnen der wie Zucker schmeckte.

Im Jahre 1780 gelang es Francis Home eine Methode zum Nachweis von Zucker zu entwickeln. Er brachte durch Zusatz von Hefe den im Urin von Diabetikern enthaltenen Zucker zur Gärung und stellte nach beendeter Gärung fest, das der süße Geschmack im Urin verschwunden war.

Der englische Arzt Rollo wies indirekt den Zucker im Blut nach. Rollo stellte fest, daß Blutproben von Gesunden nach 4 Tagen Spuren von Fäulnis zeigte. Das Blut von Diabetikern hingegen zeigte nach dieser Zeit noch keine Spuren von Fäulnis. Versetzte man Blut von Gesunden mit Zucker trat der gleiche Effekt wie beim Blut von Diabetikern auf. Welche Art von Zucker er entdeckt hatte wahr ihm aber unklar.

Im Jahre 1835 konnte Felice Ambrosiani aus dem Urin und dem Blut von Diabetikern Zuckerkristalle isolieren.

1838 wurde von Eugene Melchior Peligot und Bouchardat in von einander unabhängigen Forschungen festgestellt das dieser Zucker Glukose war.

Der deutsche Arzt Paul Langerhans untersuchte Mitte des 19. Jahrhunderts Teile der Bauchspeicheldrüse. Im Rahmen seiner Dissertation wurden die Ergebnisse am 18. Februar 1869 vorgelegt.
Durch Einfärbung konnte er unter dem Mikroskop neun unterschiedliche Zellgruppen entdecken, die in Gruppen angeordnet über die ganze Bauchspeicheldrüse verteilt auftraten. Später wurden diese Zellgruppen wegen ihrer ungleichmäßigen, inselartig auftretenden Verteilung Langerhansische-Inseln genannt. Die Funktion dieser Zellen blieb Paul Langerhans unbekannt. Im Vorwort zu seiner Dissertation schreibt Paul Langenhans: "daß ich in keiner Weise imstande bin, die abgeschlossenen Resultate einer erfolgreichen Untersuchung vorzulegen, sondern höchstens wenige, vereinzelte Beobachtungen beizubringen vermag..."

1889 entfernten Josef Mering und Oscar Minkowski einem Hund die Bauchspeichel-drüse vollständig. Der Hund hatte plötzlich Zucker im Urin und mußte auch häufig urinieren. Diese Experiment war zwar noch nicht der Durchbruch auf dem Weg zur Erkennung und Behandlung des Diabetes, lenkte aber die wissenschaftliche Welt auf den richtigen Weg.

Im Jahre 1921 gelang es zwei Forschern, Frederick Grant Banting und Charles Herbert Best aus der Bauchspeicheldrüse von Hunden eine Substanz zu isolieren. Spritze man diese Substanz diabetischen Hunden so senkten sich deren Blutzuckerwerte.

Einige Zeit später wurde dieses Experiment auf den Menschen übertragen und die Wissenschaft glaubte zunächst den Kampf gegen die Krankheit Diabetes gewonnen zu haben.

Nach zehnjähriger Forschungsarbeit konnte Frederick Sanger im Jahre 1955 den chemischen Aufbau des Insulins klären. Aufgrund dieser Forschungsarbeiten wurde es möglich Insulin synthetisch herzustellen.


R.N.