
Der folgende Text ist mit freundlicher Genehmigung übernommen von Markus Dornbach
Fazit: Was für die/den Eine/n noch normal ist, kann für die/den Nächste/n schon eine beobachtungs- oder therapiepflichtige Abweichung von der Norm sein. Lassen Sie sich dadurch jedoch nicht entmutigen. Wer Normalwertetabellen benötigt und etwas über den Sinn und Zweck von Laborparametern, die nichts desto weniger einen hohen Stellenwert besitzen, wissen möchte findet hier ein kleines Forum.
Anmerkung: Diese Seiten dienen zur reinen Information und sind von mir nach bestem Wissen zusammengestellt, jedoch übernehme ich als Bearbeiter keine Verantwortung für inhaltliche oder therapeutische Konsequenzen. Auf subjektive Einschätzungen wird (fast) verzichtet.
(Witten im Oktober 1997, Markus Dornbach)
Indikation:
Erkennen einer diabetischen Stoffwechselstörung,
Therapiekontrolle des Diabetes mellitus
mehrere Bestimmungsmethoden in Form s.g. trockener (Selbstmessung) und nasser (Labor) Meßverfahren: (nur als Stichworte) Glucoseoxidase-Methoden, Hexokinase-Methode, Glucose-Dehydrogenase-Methode, reflexionsfotometrische oder enzymatisch amperometrisches Meßpinzipien in der Selbstkontrolle.
Wichtig für den Diabetiker sind die unterschiedlichen Referenzbereiche (Normalbereiche) im Kapillarblut, venösem Vollblut und venösem Plasma. Auf die Zielwerte einer guten Diabeteseinstellung soll nicht eingegangen werden.
Kriterium:
Im Zeitalter nach der DCCT-Studie (Diabetes Control and Complication Trial) sollte es keinen Zweifel an der Tatsache geben:
Normale bis nahe-normale (near-normal) Blutzuckerwerte!
Indikation: Erkennung einer diabetischen Stoffwechselstörung sowie Therapiekontrolle des Diabetes durch Patient und Arzt. Bestimmungsmethoden: Qualitative und quantitative Messung; am weitesten verbreitet ist die qualitative Selbstmessung mittels Teststreifenmethode (Glucoseoxidase/Peroxidase-Reaktion mit Redoxindikator (Farbumschlag))
Referenzbereich im Spontanurin: bis 150 mg/l (0,84
mmol/l)
Zu berücksichtigen ist die individuelle
Nierenschwelle Fehlermöglichkeiten sind gegeben durch Urin
pH-Werte unter 5 (z.B. in der Ketoazidose), Einnahme von Medikamenten
(Ascorbinsäure, Salizylate ASS © von mehr als
2g/täglich und Verunreinigungen durch Reinigungsmitteln in den
Urin-Auffanggefäßen.
Glykierte Hämoglobine sind eine Unterfraktion des Erwachsenenhämoglobins HbA.. HbA1 stellt eine heterogene Gruppe von Hämoglobinvarianten dar (6%-Anteil des Gesamthämoglobins). Es entsteht durch nichtenzymatische irreversible Bindung von Hexosen (Anm.: Zuckermoleküle in monomerer Form bilden eine 6er-Ringstruktur; Fructose, Glucose etc.). Die Variante mit einer Glucosebindung ist das HbA1c, das in einer labilen und in einer stabilen Form vorliegt.
Wertigkeit: Der Parameter zur Bestimmung einer Langzeitkontrolle des Kohlenhydratstoffwechsels beim Diabetes.
| Bestimmungsmethode | Angaben in % 5. und 95. Perzentile |
|---|---|
| HbA1 Affinitätschromatografie | 5,2 - 7,6 |
| Ionenaustausch-Chromatographie | 5,0 - 7,8 |
| Elektrophorese | 5,6 - 7,6 |
| HbA1c Hochdruckflüssigkeitschromatografie | 4,4 - 5,7 |
| Thiobarbitursäure-Methode | 3,2 - 6,4 |
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Markerprotein der diabetischen Nephropathie: Die Albuminmessung im Urin ist ein sehr sensitiver Parameter zur frühzeitigen Beurteilung einer möglichen Nierenschädigung durch einen schlecht eingestellten Diabetes, s.g. diabetischen Nephropathie, aber auch durch eine durch Bluthochdruck ausgelöste Nephrophathie. Die Albuminausscheidung ist Ausdruck einer glomerulären Schädigung des Tubulusapparates der Niere. Eine Erhöhung des Serum-Kreatinins (ebenda) tritt erst bei einer manifesten Niereninsuffizienz (Nierenleistungsschwäche) auf, sozusagen dann, wenn es meistens schon zu spät ist.
Probensammlung: Verschiedene Verfahren sind möglich, die sich nur unwesentlich in der Höhe der Normalwerte unterscheiden.
Am sichersten ist die Abgabe von Mittelstrahlurin am frühen Morgen, d.h. einer Probe der nächtlichen Urinansammlung in der Blase. Möglich ist aber auch ein 24-stündiges Sammeln, insbesondere wenn gleichzeitig andere Untersuchungen durchgeführt werden (Sammelurin auf Kreatinin-Clearance, Gesamteiweiß, Urinelektrophorese u.a.).
Achtung: Wer eine Mikroalbuminurie hat, hat noch lange keine diabetische Nephropathie. Erst wenn 2 von 3 Untersuchungen innerhalb von einem ½ Jahr diesen Befund ergeben liegt ein Verdacht vor, der gegebenenfalls durch eine feingewebliche Probe aus der Niere bestätigt werden kann. Andere Nierenerkrankungen, Einzelniere, starke körperliche Belastung, Infektionen, Bluthochdruckentgleisungen können kurzfristig diesen Befund verursachen.
Erhöhte Blutfette stellen einen weiteren Risikofaktor zur frühzeitigen ?Verkalkung? der Blutgefäße (Arterioskleroserisiko) dar. Plasmacholesterinwerte von über 200 mg/dl sind, gemäß der Stellungnahme der European Atherosclerosis Society von 1988, mit einem erhöhten Risiko für die koronare Herzkrankheit behaftet. Dieses Risiko wird potenziert wenn andere Risikofaktoren (Rauchen, Hypertonie, Diabetes u.a.) vorliegen. Von weiterem Interesse ist ferner die quantitative und qualitative Auftrennung der Lipoproteine, wobei, in der Routinediagnostik, insbesondere die Auftrennung in das HDL- und das LDL-Cholesterin (das ?gute? und ?schlechte? Cholesterin) eine Rolle spielt. Ziel ist eine Anhebung der HDL-Cholestin-Werte (Bewegung, Nikotinkarenz u.a.) und ein Absenken der LDL-Cholesterin-Werte (Bewegung, Nahrung, Medikamente u.a.).
[Weitere Fett-Unterguppierungen sind die Apolipoproteine und das Lipoprotein (a), die, wie o.g. Lipide, in der Lipidelektrophorese quantitativ und qualitativ bestimmt werden und zur Differenzierung der angeborenen und erworbenen Fettstoffwechselstörungen eine Rolle spielen.]
Neuere Untersuchungen zeigen, daß auch erhöhte Triglyceriden, synonym Neutralfette oder Triacylglygeride genannt, eine besondere Bedeutung in der Entstehung von Gefäßkrankheiten spielen. Diese Fette sind besonders beim schlecht eingestellten Diabetes, bei übergewichtigen Typ-2 Diabetikern und bei übermäßigem Alkoholkonsum (sekundäre Fettstoffwechselstörungen), daneben bei angeborenen Fettstoffwechselstörungen (primären o. familiären) erhöht.
25%-Anteil des Gesamt-Cholesterins. Das HDL-Cholesterin ist negativ mit dem Auftreten einer koronaren Herzkrankheit korreliert.
D.h. je höher der Wert, desto besser.
Es trägt wesentlich zur Bildung von s.g. atheromatösen Plaques (s.dort) und somit einer koronaren Herzkrankheit bei, d.h. je höher der Wert, desto schlechter.
Nutzen: Die Bestimmung dient zur Beurteilung des Artheroskerose-Risikos und zur Klassifikation einer Fettstoffwechselstörung; ferner Therapiekontrolle von Diät und medikamentösen Maßnahmen.
Erfassen einer eingeschränkten Filtrationsrate der Niere (glomeruläre Filtrationsrate GFR) bei: Bluthochdruck, Diabetes mell., akuten + chronischen Nierenerkrankungen, Dialyse, Schwangerschaft u.a. Das Serumcreatinin erhöht sich jedoch erst, wenn es zu einer Einschränkung der GFR (Filtrationsrate der Niere) von 50% der normalen Filtrationsrate gekommen ist. Es ist hochgradig abhängig vom Patientenalter, der Konstitution und dem Geschlecht. Zu beachten ist, beim jugendlichen Diabetiker, daß deutlich niedrigere Creatinin-Konzentrationen vorkommen, weil bei Diabetikern die Nierendurchblutung gesteigert ist. Es kann daher eine Nierenfunktionsstörung trotz normaler Creatinin-Clearance vorliegen!
Das Creatinin entsteht im Muskel aus Creatin und Creatinphosphat. Creatinphosphat dient im Muskel als Energiespeicher, somit ist die Gesamtmenge des Creatin abhängig von der Gesamt-Muskelmasse.
Harnstoff ist Endprodukt des Eiweiß- und Aminosäurestoffwechsels. Er wird in der Leber gebildet. Eiweiße werden in Aminosäuren zerlegt und ihrer Aminogruppe beraubt. Der dabei anfallende Ammoniak wird in den Leberzellkraftwerken, den Mitochondrien im s.g. Harnstoffcyclus in einer Kette von Reaktionen in Harnstoff umgewandelt. Letzterer wird fast ausschließlich über die Niere ausgeschieden. Beim Abbau von 2,9 g Eiweiß wird 1 g Harnstoff gebildet. Da die Abhängigkeit vom Eiweißstoffwechsel groß ist und eine komplizierte Ausscheidung und Rückaufnahme von Harnstoff in der Niere besteht, ist der Normalwertbereich für Harnstoff im Serum sehr weit. Er ist damit ein recht unspezifischer Wert zur Beurteilung einer beginnenden Funktionseinschränkung der Niere. Erst bei einer Filtrationsabnahme der Niere von 75% wird der obere Grenzwert überschritten. Trotzdem:
Indikation: Verdacht einer gestörten Glucosetoleranz, im Grenzbereich liegende Blutzuckerwerte, andere Diabetesformen, spezielle Stoffwechselstörungen.
Testablauf: Vor dem Test müssen die Probanden mindestens 3 Tage lang normal, d.h. kohlenhydratreich, gegessen haben um ihre Glykogenspeicher zu füllen; die normale körperliche Aktivität wird fortgesetzt; Vorsicht ist geboten mit Medikamenteninteraktionen; es sollte ein 3-tägiger Abstand zur Menstruation eingehalten werden.
Zur Testdurchführung wird nach Abnahme (kapillär o. venös) einer Nüchternglucosebestimmung zw. 8.00 Uhr und 9.00 Uhr eine Flüssigkeit getrunken, die 75 g Glucose enthält. Danach werden Glucosebestimmungen nach 1 und nach 2 Stunden im Blut durchgeführt. Ferner wird am Testende der frisch gelassene Urin untersucht.
Indikation: Bei Insulin-Unterempfindlichkeit bzw. erhöhtem Insulinbedarf.
Das Pro-Insulin wird bei der inneren Sekretion aus der Bauchspeicheldrüse mittels eines Enzyms in Insulin und einer Resteiweißkette (Peptid) dem C-Peptid gespalten. Ein Vorhandensein von C-Peptid im Blut ist somit an das Vorhandensein einer endogenen Insulinsekretion gekoppelt. Es dient zur Diagnostik des Insulinoms und einer Insulin-induzierten Hypoglycaemia factitia (künstlich herbeigeführte Unterzuckerung). Es spielt keine nennenswerte Rolle zur Diagnose des Hyperinsulinismus bei Typ-2 Diabetikern und stellt somit kein Standardverfahren in der Diabetes-Diagnostik dar.
Indikation: Erfassung einer leichten Nierenfunktionsstörung.
Eine Clearance ist das Klären eines bestimmten Stoffes in der Niere. D.h. wieviel von dieser Substanz (das können körpereigene Produkte, aber auch Medikamente o. Gifte sein) werden aus dem Blut/Serum über die Niere in einem bestimmten Zeitraum ausgeschieden.
Die Creatinin-Clearance erlaubt nicht die direkte Messung der glomerulären Filtrationsrate (GFR). Sie gibt nur annäherungsweise deren Größenordnung an.
Testablauf:
Clearanceformel: C (ml/min./1.73 m2) = U * Uvol * 1,73 / S * t * KO
(C=Clearance in ml pro Minute, U = Konzentration von Creatinin im Urin, Uvol = Urinmenge pro Sammelzeit, S = Konzentration von Creatinin im Serum, Mittelwert aus Proben zu Beginn und Ende der Sammelperiode; t = Sammelzeit in Minuten, KO = Körperoberfläche (rechnerisch o. aus einem ?Nomogramm? ermittelt)
Fehlermöglichkeiten: Beim jugendlichen Diabetiker können in der Anfangsphase der Erkrankung (Diabetes) eine höhere Creatinin-Clearance vorliegen, obwohl schon eine Nierenerkrankung vorliegen kann! Der Hauptfehler bei der Durchführung der Creatinin-Clearance wird immer wieder beim Sammeln des Urins gemacht.
Sie gehören als Glykoproteine (Immunglobuline) zu den Gammaglobulinen. Sie werden als mögliche Antwort des Immunsystems nach Kontakt des Organismus mit Antigenen von den B-Lymphozyten u. Plasmazellen gebildet u. in Körperflüssigkeiten ausgeschieden. Sie reagieren mit den Antikörpern in der s.g. Antigen-Antikörper-Reaktion und neutralisieren Giftstoffe, Viren, Bakterien u.a.
Allg. Bezeichnung für die Veränderungen der Innenhaut (Intima) der Gefäße ist die Atheromatose. Bei ihr kommt es zur Bildung der atheromatösen Plaques. Das sind die allgemein bezeichneten Gefäßverkalkungen.
Die Gefäßverkalkung an den Herzkranzgefäßen. Sie führt zum Herzinfarkt und zum Herzversagen und ist in den westlichen Ländern die häufigste Todesursache.
Das Auffanggefäß wird in den laufenden Harnstrahl gehalten [das kann/muß kleckern sonst macht man etw. falsch :-) ]. D.h. die erste und die letzte Urinportion wird verworfen.
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Bearbeitung: Markus Dornbach
Letzte Änderung: 31.10.1997