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Inselzell-Transplantation
Die Therapie der Zukunft?
Der Vater eines Diabetikers schickte uns den folgenden Text zum Thema Inselzell-Transplantation
mit der Bitte um Veröffentlichung. Wir kommen dieser Bitte gerne nach, aber
nicht, ohne zuvor die Erwartungen ein wenig zu dämpfen. Wir möchten keine verfrühten
oder gar falschen Hoffnungen wecken.
Sonst geht es anderen diabetischen Kindern womöglich wie dem
ca. 7jährigen Jungen, dessen Vater auf dem letzten Kinder- und
Jugend-Diabetikertag in Bonn meinte, sein Sohn müsse sich nicht mit
der intensivierten Therapie herumschlagen, da bald mit Hilfe einer
Transplantation die Piekserei vorbei sei.
Im Rahmen der Preisverleihung anläßlich der 38. Jahrestagung der DDG
in Bremen im Mai 2003 erhielt Dr.med. Mathias D. Brendel den Ernst-Friedrich-Pfeiffer-Preis
2003 für seine Arbeit:
Dr.med. Mathias D. Brendel ist für Deutschland auch DER Ansprechpartner
für Ärzte und Diabetiker die Patienten oder sich selbst zu einer Insel-Transplantation
anmelden möchten. Der Weg dort hin geht über die INTERNATIONAL
ISLET TRANSPLANT REGISTRY . Bevor man sich aber einfach
mal anmeldet sollte man die INFORMATIONEN
ZUR PATIENTENZUWEISUNG gelesen haben. Hier ein Auszug daraus:
- Wie wird die Insel-Transplantation durchgeführt ?
Langerhans’sche Inseln der Bauchspeicheldrüse bestehen überwiegend aus Beta-Zellen.
Diese produzieren das natürliche Hormon Insulin, das vom Körper zur Regulierung
der Zuckerverwendung eingesetzt wird. Beim Typ-1 Diabetes mellitus (dem sogenannten
“jugendlichen” Diabetes mellitus) werden diese Beta-Zellen irrtümlicher-weise
vom eigenen Immunsystem des Patienten angegriffen und zerstört. Dadurch wird
eine ausreichende eigene Insulinproduktion unmöglich gemacht. Eine Transplantation
von Inseln, die aus der Bauchspeicheldrüse eines verstorbenen Organspenders
gewonnen werden, bietet die Möglichkeit, die untergegangenen Zellen zu ersetzen,
und so die benötigte Insulinmenge durch das funktionierende Inseltransplantat
herstellen zu lassen. Bei diesem Verfahren werden die Inseln vom umgebenden
Bauchspeicheldrüsengewebe des Spenders durch ein maschinell unterstützes Verfahren
abgetrennt. Üblicherweise werden diese aufbereiteten Inseln vor Transplantation
für einen gewissen Zeitraum in der Gewebekultur gehalten; im Gegensatz dazu
werden nach dem Edmonton- Protokoll frisch isolierte Inseln verwendet. Darüber
hinaus werden in diesem Verfahren Inselpräparationen von zwei oder mehr Bauchspeicheldrüsenspendern
transplantiert, um die Anzahl der übertragenen Insulin-produzierenden Zellen
zu erhöhen. Nach der Inselisolation kann die Übertragung am selben Tag durchgeführt
werden. Häufig ist nur ein kurzer stationärer Aufenthalt notwendig. Die Inseln
werden unter einer Röntgen-kontrollierten Katheteranlage in das Portalvenensystem
der Leber des Empfängers eingebracht. Nach der Injektion werden die Inseln
entlang der natürlichen Flußrichtung in die Portalvene eingeschwemmt, und
setzen sich in den Kapillaren fest. Dort wachsen die Inseln ein, produzieren
Insulin, und können somit nun in der Leber praktisch die gleiche Funktion
wie ursprünglich in der Bauchspeicheldrüse erfüllen.
- Was passiert nach der Transplantation ?
Die Umgebung der frisch transplantierten Inseln in der Leber bietet zunächst
kein optimales Mileu. Zum einen kann bei Patienten mit Typ-1 Diabetes mellitus
der ursprüngliche “autoimmune” Zerstörungsprozeß der insulinprodzuzierenden
Zellen reaktiviert werden. Darüber hinaus wird das Immun-Abwehrsystem des
Empfängers aktiviert, erkennt die transplantierten Zellen als “fremd”, und
leitet eine zweite Abwehrattacke gegenüber dem Zelltransplantat ein (die sogenannte
allogene Abstoßung). Deshalb müssen Insel-Empfänger derzeit immunsupprimierende
Medikamente einnehmen, die eine Zerstörung des Insel- Transplantats durch
das Immunsystem verhindern sollen. Grundsätzlich ist die Fortführung dieser
Medikation lebenslang notwendig. Medikamente zur Immunsuppression haben bislang
sehr häufig Kortison oder ähnliche Inhaltsstoffe, die sogenannten Kortikosteroide,
beinhaltet. Im Edmonton-Protokoll wird die Immunsuppression durch Verwendung
von drei verschiedenen Medikamenten durchgeführt: Sirolimus, Tacrolimus und
Daclizumab, d. h. ohne Verwendung von Kortikosteroiden. Vermutlich verbessert
das Weglassen der Kortikosteroide den Transplantationserfolg, da diese schädlich
für die transplantierten Inselzellen und deren Funktion sein können.
- Bedeutet Inseltransplantation eine Heilung vom Diabetes
mellitus ?
Grundsätzlich wäre eine Blutzuckernormalisierung ohne Notwendigkeit für Insulininjektionen
über einen langen Zeitraum gleichbedeutend mit einer Heilung des Diabetes,
da eine Stoffwechsellage wie bei einem Gesunden erreichbar wäre. Die Ergebnisse
der Insel-Transplantations-Studie der Universitätsklinik in Edmonton stellen
einen sehr wichtigen Behandlungserfolg dar, und geben Anlaß zur konkreten
Hoffnung, den Typ-1 Diabetes mellitus erfolgreich behandeln zu können. Allerdings
würde die gegenwärtige, sehr eingeschränkte Verfügbarkeit von Bauchspeicheldrüsen
verstorbener Organspender die Anzahl möglicher Inseltransplantat-Empfänger
erheblich begrenzen. Im weiteren ist wichtig, daß wie bei jeder experimentellen
Behandlungsmethode, die Therapiewirkung und Nebenwirkung genau untersucht
wird. Immunsuppressive Therapie ist grundsätzlich mit möglichen Riskiken und
Nebenwirkungen assoziiert, die eine erhöhte Infektanfälligkeit und sogar ein
erhöhtes Krebsrisiko beinhalten können. Um eine Blutzuckernormalisierung und
Insulinunabhängigkeit durch die Inseltransplantation anbieten zu können müssen
wir zuerst:
- Die Ergebnisse der bisher behandelten Patienten an einer größeren Patientenzahl
bestätigen
- die Langzeit-Risiken, die mit der Immunsuppression verknüpft sind, untersuchen
- die biologischen Grundlagen der Diabetesentwicklung und einer Abstoßung
oder Akzeptanz von transplantierten Inselzellen
- neue, spezifischere Methoden zur Verhinderung von autoimmuner oder Fremdgewebe-Abstoßung
entwickeln
- Das Immun-Toleranz-Netzwerk und darüber hinaus
Das Immun-Toleranz-Netzwerk wird die Multi-Center-Studie nach dem Protokoll
des Transplantationszentrums in Edmonton durchführen, um die Grundlage für
die obengenannten Ziele zu schaffen. Die Studie wird als Referenzverfahren
der Inseltransplantation dienen, und dem ITN ermöglichen, weitere neue Behandlungsmöglichkeiten
anstelle von lebenslang notwendiger immunsuppressiver Therapie einzusetzen
und zu überprüfen. In einer Reihe von Zentren weltweit werden derzeit verschiedene
solcher Therapieformen getestet, die eine sehr spezifische Blockierung von
unerwünschten Abstoßungs- und Autoimmun-Reaktionen in Aussicht stellen, und
gleichzeitig die erwünschte Reaktionsfähigkeit des Immunsystems gegen Krankheiten
nicht beeinträchtigen. Es ist eine wesentliche Aufgabe des ITN, eine beschleunigte
Anwendung dieser Forschungsergebnisse im Bereich der klinischen Studien zu
fördern, und die gegenwärtige Multi-Center-Studie zur Inseltransplantation
stellt den ersten Schritt in der Umsetzung dieser Zielstellung dar.
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