
Viele Diabetiker klagen über "unerklärliche Blutzuckerschwankungen". In der Klinik findet man dann sehr häufig die Ursachen:
Insbesondere bei Diabetikern, die ihren Diabetes erst 1-5 Jahre haben, findet man teilweise zumindest eine Restproduktion von Insulin. Diese Restproduktion wird als sog. C-Peptid-Wert angeben. Bei Diabetesdauer von mehr als 10 Jahre kann man davon ausgehen, das der C-Peptid Wert bei kleiner 0,2 liegt. Also unerhebliche Restfunktion. Bei den anderen zwischen 0,2 und 0,8 spielt die Restproduktion in dem Sinne ein Rolle, daß kleinere Versäumnisse kompensiert werden, insbesondere im Bereich der Basalproduktion. Spätestens wenn diese gegen Null geht, tauchen dann evtl. Blutzuckerschwankungen auf, die man sich nicht erklären kann!
Der menschliche Organismus benötigt zum Leben Energie. Der größte Teil dieser Energie wird in Form von Glucose verstoffwechselt. Damit die Glucose, auch als Blutzucker bezeichnet, in die menschliche Zelle eindringen kann, benötigen wir Insulin.
Selbst wenn wir keine Nahrung aufnehmen, brauchen wir eine gewisse Menge dieses wichtigen Hormons, um lebensnotwendige Stoffwechselvorgänge aufrecht zu erhalten. Diese Menge bezeichnen wir als den sogenannten basalen Insulinbedarf.
Nehmen wir nun kohlenhydrathaltige Nahrungsmittel auf, z.B. in Form von Brot, Nudeln oder sogar reinen Zucker, so schüttet die Bauchspeicheldrüse für die entsprechende Menge Insulin aus. Dieses bezeichnen wir als den Bolus, oder auch Mahlzeiten-Insulin, entsprechend seiner Funktion.
Die sog. Basis-Bolus-Insulintherapie versucht diese Gegebenheiten "nachzuahmen". Der Basis-Bedarf wird in Form eines Verzögerungsinsulins gespritzt, dieses erfolgt meistens 2-3 mal täglich. Der Bolus-Bedarf wird in Form eines schnell wirkenden Insulins gespritzt; entsprechend seiner Funktion als Mahlzeiteninsulin, zu dem Essen. Hierfür verwendet man Normalinsulin oder Humalog.
Diese intensivierte Insulintherapie oder funktionelle Insulintherapie bietet dem gut geschulten Diabetiker eine freiere Gestaltung seines Tagesablaufs. Er kann seine Mahlzeiten in der Größe variieren, zeitlich unabhängig einnehmen oder auch ausfallen lassen. Weiterhin sind spontanere Aktivitäten, wie zum Beispiel Sport, möglich.
Diese Form der Diabetes-Therapie erfordert:
Ohne diese Voraussetzungen ist ein gelingen der Therapie nicht möglich, den der Diabetiker ist sein eigener Arzt, er entscheidet täglich aufs neue, welche Insulinmengen er wann für welche Mahlzeit spritzt. Hat er jedoch seine Therapie nicht verstanden, so ist die intensivierte Insulintherapie zum scheitern verurteilt.
Das heißt bei der intensivierten Insulintherapie sollte ein sogenannter Zielblutzucker festgelegt werden, dies geschieht in Rücksprache mit dem Diabetologen oder dem behandelten Arzt.
Für den Zielblutzucker werden 2 Werte angeben:
| Mein Zielblutzucker: | nüchtern |
| nach dem Essen |
Um den sogenannten basalen Insulinbedarf des menschlichen Körper abzudecken wird meistens morgens und abends Insulin gespritzt. Hierzu verwendet man Verzögerungsinsulin mit einer Wirkung von etwa 12 Stunden.
Um eine ausreichende Wirkung des Insulins in den morgendlichen Stunden zu gewährleisten, wird häufig die abendliche Injektion vor dem Schlafengehen durchgeführt.
In wenigen Fällen reichen leider zwei basale Insulindosen nicht aus und der Patient benötigt noch eine Dritte, damit eine ausreichende Versorgung mit Basal-Insulin gewährleistet ist. Um nun festzustellen, ob das basale Insulin ausreichend dosiert ist, kann man einen sogenannten Basal-Insulin-Test durchführen:
Beginnend mit dem Abendbrot werden 24 Stunden lang keine kohlenhydrathaltigen Nahrungsmittel mehr verzehrt. Einige Diabetologen empfehlen durchaus Käse, Wurst und andere Lebensmittel ohne BE zu verzehren, andere wiederum sagen "nichts Essen".
Getrunken werden darf nur kohlenhydratfreie Flüssigkeit. (Cola light, Wasser, Tee und Kaffee ohne Milch, Süßstoff ist erlaubt, keine Diätlimonaden ). Zu diesem "Fasten" wird nur das Basal-Insulin gespritzt Nun wird alle 3 Stunden der Blutzucker bestimmt. Hierfür gilt:
| Blutzucker niedriger als der Zielblutzucker: | korrigieren mit BEs |
| Blutzucker höher als der Zielblutzucker: | korrigieren mit Insulin |
Jeder Diabetiker sollte einen solchen Test zunächst unter Aufsicht eines Diabetologen durchführen, der auch das Ergebnis des Tests auswertet. Weitere Tests können evtl. auch von einem erfahrenen Diabetiker selbst gemacht werden.
Das Mahlzeiten-Insulin hat die Aufgabe, die Kohlenhydrate einer Mahlzeit zu verstoffwechseln und den Blutzucker konstant zu halten. Das heißt, der Blutzucker sollte nach der eigentlichen Insulinwirkung wieder seinen Ausgangswert erreicht haben. Er sollte also weder gesunken, noch sollte er angestiegen sein. Ist dies trotzdem geschehen so ist das Mahlzeiten-Insulin falsch dosiert. Eine Toleranz von +/- 20 mg hat hier keine Bedeutung und wird somit nicht als ein Ansteigen oder Abfallen bewertet.
Das Mahlzeiten-Insulin wird, wenn Normal-Insulin verwendet wird, etwa 15-30 min. vor der Hauptmahlzeit injiziert. Die Dosis ist individuell verschieden und richtet sich nach dem jeweiligen BE / Insulin-Faktor, den jeder Diabetiker kennen sollte. Aufgrund seiner langen Wirkung muß die eigentliche Hauptmahlzeit aufgeteilt werden, nämlich in eine Haupt- und eine Nachmahlzeit. Praktiziert man dies nicht kann es, unter Umständen, zu einem starken Blutzuckeranstieg kurz nach dem Essen und einer Unterzuckerung ca. 2 - 2,5 Stunden nach dem Essen kommen. Verwendet man jedoch das Insulin-Analogon Humalog, so ändert sich einiges.
Aufgrund seiner Wirkung ist kein Spritz-Eß Abstand nötig, wenn der Blutzucker im Zielbereich liegt, den Humalog wirkt sofort nach der Injektion. Des weiteren kann man davon ausgehen, das Humalog nach zwei Stunden seine Wirkung verliert, d.h. es ist keine Nachmahlzeit mehr nötig. Möchte der Diabetiker trotzdem etwas Essen, so muß er für diese Mahlzeit wieder Insulin, sprich Humalog spritzen. Auch hier entscheidet der jeweilige BE / Insulin-Faktor über die Menge des Mahlzeiten-Insulins.
Betrachtet man das Korrektur-Insulin genauer, so fragt man sich warum nennt man das Mahlzeiten-Insulin, Mahlzeiten-Insulin und das Korrektur-Insulin, Korrektur-Insulin wenn beide Insuline eigentlich gleich sind. Die Begründung für dieses "Durcheinander" ist sehr einfach. Man unterscheidet sie wegen ihren unterschiedlichen Funktionen:
Vermischt man diese beiden Funktionen und spritzt Insulin nach dem dicken Daumen, so ist jegliche Therapie zum scheitern verurteilt.
Die jeweilige Dosierung des Korrektur-Insulins ist von Diabetiker zu Diabetiker verschieden und ergibt sich später aus den Tagesprotokollen und Erfahrungen eines jeden. Man beginnt mit einem relativ hohem Korrekturfaktor von 50 mg. D.h. man geht davon aus das eine Einheit Insulin den Blutzucker um 50 mg senkt.
Der Diabetiker würde also 3 Einheiten Korrektur-Insulin spritzen.
Liegt der Blutzucker höher als 250 mg, so korrigiert man nicht mit 50 mg, sondern mit dem Wert 100 mg. Ebenso verhält man sich in der Zeit von 22.oo - o6.oo Uhr, den dort wirkt Insulin am allerbesten !
Zu beachten wäre noch die Zeit, in der man korrigieren darf:
Beachtet man diese Zeiten nicht, so überschneiden sich die Insulinwirkung der letzten mit der neuen Injektion und es kann zu Unterzuckerungen kommen.
Da man bei Mahlzeiten-Insulin und Korrektur-Insulin eine möglichst schnelle Wirkung erzielen möchte, sollte es auch an Stellen gespritzt werden, welche einen raschen Wirkungseintritt ermöglichen bzw. ein solcher stattfindet. Hierzu eignet sich Bauchhaut am allerbesten. Im Gegensatz zum Basisinsulin, denn hier wünscht man sich einen langsamen Wirkungeintritt, deshalb bevorzugt man hierfür die beiden Oberschenkel.
Wichtig ist das man die Stellen für einzelne Insulininjektionen ständig wechselt, sonst kommt es zu sehr unangenehmen "Beulen" in Bereich dieser oft benutzten Stellen. Welche sich wiederum negativ auf die Insulinwirkung bemerkbar machen.
Jeder Diabetiker hat unterschiedliche und individuelle Korrekturfaktoren / BE- Faktoren, deshalb gelten die ganzen 50 mg Werte nur als Richtlinie.
Irgendwo muß man ja in der Diabetologie anfangen. Wie diese Unterschiede im Einzeln dann morgens, mittags, abends und nachts sind, muß man dann nach den Richtlinien des Adam-Riese herausfinden.
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Übernommen mit freundlicher Genehmigung von Heiko Müller.