
Wir wissen zu jedem Zeitpunkt:
"Dies ist eine wahre Lebensgeschichte" und
ich verneige mich vor dem Mut und der Stärke dieser Frau, ein solches Leben in
seinen trauervollsten Phasen nicht einfach an die Wand zu drücken, sondern die
Lichtstrahlen in den Tiefen auszugraben und sie positiv einzusetzen.
Sicherlich wird dieses Buch jedem Diabetiker kalte Schauern über den Rücken laufen
lassen - vielleicht unendliche Trauer und Angst auslösen. Doch sollten wir uns an
solchen Punkten immer wieder die Intention der Autorin vor Augen führen:
Der Untertitel "Mein Leben mit dem Diabetes Mellitus" führt den Leser da schon eher in die richtige Richtung.
Die Autorin C.M. beschreibt beispielhaft, lebensnahe ihre Erlebnisse nicht nur mit ihrem Diabetes sondern auch wie ihr gesamtes Leben kurz vor ihrer Entdeckung bis heute verlief. Besondere Erkenntnisse über die Entwicklung der Diabetestherapie in dieses fünfundzwanzig Jahren kommen in dem 200 Seiten starken Buch nicht vor.
Dies spielt hier weniger eine Rolle, denn das diese Entwicklung an C.M. vorbei ging ist heute der Auslöser gewesen dieses Buch zu schreiben. C.M. beschreibt vielmehr mit viel Gefühl wie sie, wohlbehütet auf dem Land aufwächst und später in der Großstadt fremd, von Diabetes betroffen wird.
Sie schreibt so, das sich der Leser schnell in ihre Welt vertieft und beschreibt einen Weg mit ihrem Diabetes wie er heute nicht mehr verlaufen sollte. Immer wieder spürt man selbst die Betroffenheit wenn alle Unwägbarkeiten des Leben auf die Autorin einstürzen. Man durchleidet mit ihr die persönliche Enge und Kälte zu Hause genauso wie die Arztbesuche bei denen sie dem Mediziner nicht vermitteln kann was sie fühlt und warum es ihr deshalb nicht gut geht. Der Leser findet sich fassungslos wieder wie sie beim Hausarzt schlecht behandelt wurde da nie ein HBA1 gemacht wurde.
Die Demütigungen des Arbeitgebers sowie die Nachricht über Augen- und Nierenversagen werden so real geschildert, daß man selbst mit leidet. Da spielt es keine Rolle wie eine Dialyse funktioniert, man fiebert mit ihr bis die Spenderniere verpflanzt ist und freut sich mit wie der Blindenhund ihr später wieder ein wenig Mobilität verleiht.
Ein Buch für alle die von Diabetes betroffen sind oder auch nur mit Diabetiker zu tun haben. Für Ärzte und Eltern diabetischer Kindern sollte es zur Pflichtlektüre gehören.
Neben den Erfahrungen, die die Autorin in ihrer Familie und an ihrem Arbeitsplatz macht, beschreibt sie auch ihre Suche nach einem kompetenten Arzt, zu dem sie auch Vertrauen haben kann. Dabei vermeidet sie medizinische Fachausdrücke, soweit es geht.
Das Buch sollte für jeden zur Pflichtlektüre gehören, der sich in irgendeiner Form mit Diabetes befasst bzw. befassen muss.
Diabetiker sehen hier, daß sie mit ihren Schwierigkeiten nicht alleine dastehen, sondern daß auch andere mit (größeren) Problemen zu kämpfen haben und trotzdem ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude nicht verlieren.
Die Menschen aus dem Umfeld lernen, die manchmal unerklärlichen Stimmungsschwankungen eines (chronisch) Kranken zu akzeptieren, wenn sie sie schon nicht verstehen können. Sie erfahren, welche Unsicherheiten und Ängste einen Diabetiker oder besser: einen kranken Menschen plagen (können), die mit Informationen oder nur ein paar netten Worten vielleicht nicht beseitigt, aber wenigstens vermindert werden könnten.
Und alle diejenigen, die die Zipperlein von anderen schnell als übertrieben oder Simulation hinstellen, sollten sich vor Augen führen, daß sie mit abfälligen Bemerkungen die Situation meist nur verschlimmern. Zudem sollte ihnen klar sein, daß sie sehr schnell selber in eine vergleichbare Situation geraten können, in der auch sie auf das Wohlwollen, zumindest aber auf die Akzeptanz anderer angewiesen sind.
Viele Leser des Buches werden mitunter an ihr eigenes Leben mit dem Diabetes erinnert - sei es die Unsicherheit, Hilflosigkeit oder gar oftmals die Bevormundung, die Diabetikern seitens ihres täglichen Umfeldes entgegengebracht wird. Die Autorin beschreibt eindrucksvoll, wie ihr Umfeld (Familie, Freunde, Arbeitskollegen, Chef, Ärzte) mit dazu beigetragen haben, daß sie phasenweise ihren Diabetes nicht akzeptieren konnte und wollte, was letztendlich zu gravierenden Spätfolgen an beiden Augen und einer Niere führte. Ihre Niere konnte Dank einer Transplantation gerettet werden - ihr Augenlicht leider nicht, denn die Autorin ist, trotz mehrfacher Laserbehandlungen und Operationen auf beiden Augen erblindet.
Nicht, um mit ihrem eigenen Schicksal die Leser zum Mitleid zu erregen, sondern, um einen sehr wichtigen Beitrag der Aufklärung zu leisten, hat die Autorin dieses Buch über ihr Leben mit dem Diabetes geschrieben - das für alle, die sich mit dem Thema Diabetes beschäftigen, stets in greifbarer Nähe sein sollte.
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