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Diabetes und Motorrad? - Aber sicher!

fast-Fall

Ich bin seit Ostern 1997 Typ-I Diabetiker, also insulinpflichtig.

Zwei grobe - aber folgenlose - Fahrfehler während einer Ausfahrt auf der Hausstrecke am Ostermontag liessen mich nach 2 Wochen des Wassertrinkens dann doch zum Arzt gehen, der mich auch prompt in die Klinik steckte.

Nach einer Woche wurde ich entlassen und hatte nur einen Wunsch: zurück aufs Motorrad!

und Wiederaufstieg

Anfänglich noch mit 26IE Insulatard auf Gedeih und Verderb den regelmässigen Mahlzeiten nach starrem Plan ausgeliefert, liess ich es vorsichtig angehen, und vermied jede unnötige Anstrengung. Entsprechend wenig war ich auf dem Töff anzutreffen.

Ein paar Wochen später stellte mich der Diabetologe auf ein quasi-Basis-Bolus-System um. Mit einem relativ sturen Spritzschema (1x Insulatard, 3x Actrapid) war ich immer noch fest in einen Tagesplan eingebunden, war aber schon wieder viel freier. In dieser Zeit konnte ich bereits wieder teilweise heftige Tagesetappen fahren und fand auch den Zugang zum sportlich-zügigen Fahren wieder.

Mit Freude scheuchte ich die Africa Twin kreuz und quer durch Deutschland und die Schweiz. Die Saisoneröffnung mit dem Africa Twin Club Schweiz war "Jungfernfahrt" , die MegaFete(TM) brachte so etwas wie einen Durchbruch. Es ging weiter zur Bergkirchweih in Erlangen, sogar eine Woche Urlaub in Dortmund bei Olaf und Rita lag drin.
Es folgten Chemnitz/Freiberg mit der Hochzeit von Silke und Mario, Olaf und Ritas Hochzeit in Dortmund durfte ebensowenig fehlen wie irgendwo dazwischen noch Manu's Abrissfete in Ulm (mit eine "kleinen" Umweg über Mannheim auf der Heimfahrt).

Ich schreckte auch vor ein paar Runden Vollgas auf der Nürburgring-Nordschleife nicht zurück. Vollgas halt, so viel Vollgas ein Ringneuling eben geben kann. Das Heizen auf der Rennstrecke ist echte Knochenarbeit, besonders wenn man es nicht gewohnt ist und die lange und winklige Strecke erst noch kennenlernen muss. Natürlich verkrampft man sich und die Anstrengung steigt enstprechend an.

wieder sattelfest

Im Spätsommer dann kam der FIT-Kurs (funktionelle Insulintherapie) und die Alpentour. Hier hatte ich den Zucker erstaunlich gut im Griff, und das trotz französischer Weissbrot-Küche und auch körperlich fordernden Touren auf der Assietta, dem Someiller, Jafferau und als Höhepunkt der ligurischen Grenzkammstrasse.

Seither spritze ich konsequent Basis-Bolus; der Touren wurden es natürlich nicht weniger, Moritzberg II, Besuch bei Dirk Straka (ok.. das war mit dem Auto, aber egal) Senftenberg und andere...

Vorsichtsmassnahmen und Hypowahrnehmung

Für normale Motorradfahrten sind nicht andere Vorkehrungen zu Treffen als für Autofahrten auch. Also vor Antritt eine Messung, Traubenzucker immer in Griffnähe.

Intensives Fahren (Pässe oder Rennstrecken) sind einzustufen wie Sport, mit entsprechenden Folgen und Voraussetzungen. Ich würde eine Runde Nürburgring auf jeden Fall erst nach dem Konsum von 10g schnellen KH antreten.
Motocross und Enduro sind natürlich entsprechend schwerer belastende Varianten und müssen entsprechend berücksichtigt werden. Erste Offroad-Erfahrungen in Senftenberg zeigten, dass bei Nicht-Reduktion der Basisdosis locker eine Tafel Schokolade pro Tag nötig werden kann. Nur gut, dass ich für vorgesorgt und für genügend Reserve gesorgt hatte.

Aber auch beim aktiven Fahren ist die Konzentration recht hoch, und ein sinkender Blutzuckerspiegel kündigt sich sehr schnell in mangelnder Koordination von Augen, Gleichgewichtssinn und Motorik an. Kurz: die Linie in der Kurve ist verwackelt. Da jeder verantwortungsvolle Motorradfahrer "aktiv" und konzentriert fährt und sich dabei selbst beobachtet, sollte ein druchsackender Blutzucker beim Fahren sehr schnell bemerkt werden.

das Leben geniessen!

Es gibt also keinen triftigen Grund, wegen Diabetes auf die zweitschönste Sache der Welt zu verzichten. Wer aktiv und aufmerksam fährt, durch entsprechendes Essen und Spritzen vor der Fahrt für ausreichende "KH-Reserve" sorgt, ausreichend Pausen macht und die "Lebensretter" in Griffnähe behält, dem stehn die Kurven dieser Welt offen!


Marc Lüthi

(c) Dieser Text ist durch das Urheberrecht geschützt