
Hier in Israel ist die Diabetes Betreuung recht schlicht:
Ich hatte alle Anzeichen von Zucker (permanenten Drang zum Urinieren, Durst und hohen Gewichtsverlust "ca. 10kg in 2 Monaten"). Also ging ich zum Internisten, der mir auf grund der Symptome meinen Verdacht auf Zucker bestätigte und mich zum Labor für umfassende Blut- und Urin- Tests schickte. Ausserdem verordnete er gründliche Ultraschalluntersuchung aller inneren Organe. In der Zwischenzeit sollte ich schon mal jegliche Form von Zucker aus meinem Menue streichen. Nach zwei Wochen bekam ich die Ergebnisse, Blutzucker 250mg%, Zucker im Urin 100, HBa1c 11.88, Triglyceride 206, Cholesterin 286, also eindeutig Zucker.
Er schickte mich zur Ernährungberaterin, welche mir einen genauen Diaetplan geben sollte. Kalorienmenge, deren Aufteilung in Fette, Kohlehydrate, Proteine könne er mir nicht geben, sondern nur die Ernährungsberaterin. Er verordnete mir 5 mg Glucorite zum Frühstück und bestellte mich zur Kontrolle in 3 Wochen. Die Ernährungsberaterin gab mir wage Essensangaben, wie die Aufteilung der Mahlzeiten in 5 bis 6 kleine Raten. Wenig Brot und nur Vollkornbrot, wenig Fette (möglichst keine tierischen) sollte ich essen. Am ungenauesten waren ihre Mengenangaben. Ein Teller je nach Hunger hieß es. Kalorienmengen waren unmöglich aus ihr rauszuholen, und eine Aufteilung in Fette, Proteine usw. waren ihr fremd.
In der Zwischenzeit hatte ich mich im Internet und den Newsgroups umgesehen, und versucht gewisse Angaben über Ernährung zu erhalten. Ich habe mir dem entsprechend selber die Kalorien, Kohlenhydrate, Proteine usw. bestimmt. Seit dem führe ich Buch, esse alle 3 Stunden, messe vor jeder Mahlzeit und fand heraus, daß sich meine Werte nach anfänglichen Schwankungen zwischen 50 und 250mg% auf Werte um die 90 - 110mg% einpendelten. Ich hatte jedoch häufig vormittags Werte um die 60-80mg% und ging erneut zum Arzt. Der meinte dann ich könne wohl die Tablette absetzen. Ich sagte ihm, sie bereiteten mir nur zu niedrige Werte kurz nach der Einahme. Er stimmte mit mir überein und meinte ich solle so weitermachen und nach 6 Wochen einen erneuten Blut und Urintest machen. Nun ging ich erneut zur Ernärungsberaterin, welche mir nach Einsicht in mein Tagebuch nur sagte, ihre Diät sei ja wohl angeschlagen und ich sollte so weiter machen (ich hätte beinahe laut losgelacht).
Seitdem achte ich strikt auf eine mir logisch erscheinende Aufteilung des Essens über den Tag.
1.Frühstück ca. 350 Kalorien, 2.Frühstück ca 250 kal., Mittags ca 350 Kalorien, Nachmittags 200 Kalorien abends 350 Kalorien, Nachtsnack ca. 150 Kalorien. Scheinbar etwas zu wenig ich nehme weiterhin ab. (ich bin 190 cm gross und wog beim ersten Test noch 80kg heute nur noch 76kg)
Nach weglassen der Tabletten stabiliesierten sich meine Werte um ca. 100 - 110mg% mit nur sehr geringen Abweichungen. Heute bekam ich die Ergebnisse des 2. Bluttestes. Blutzucker (nach Fasten) 103mg%, Hba1c 6.68, Urinzucker 7.0, Cholesterin 190. Ich bin mit den Werten ganz zufrieden und von der ärztlichen Betreung entsetzt.
Ohne Internet und Newsgroups hätte ich es nie geschafft die Werte in die richtige Richtung zu bewegen. Ich hätte viel Zeit sparen können, wenn mir die Ärzte mein jetztiges Wissen vermittelt hätten. Ich rief auch bei der Diabetikervereinigung an um nach Empfehlungen für Software zu fragen, bekam jedoch zur Antwort "wie, ein Programm anstelle von einem Arzt?" Daraufhin war mir das Niveau der ärztliche Betreung und das Wissen der Diabetiker hier klar.
Ich weiß nicht wieviel mir mein Wissen langfristig helfen wird, kurzfristig habe ich es jedoch geschafft innerhalb von 2 Monaten die Tabletten loszuwerden, meinen Blutzucker zu drücken und den Urinzucker zu normaliesieren. Ich finde das nicht schlecht fuer einen Laien.
M.K. April 1998