Deine Stimme gegen Armut
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Lena - Kleinkind mit Insulinpumpe

Ein Erfahrungsbericht

Die Diagnose DM Typ 1 im September 1999 bei unserer kleinen, damals erst 25 Monate alten Tochter Lena hat uns zuerst ziemlich den Boden unter den Füßen weggezogen.

Wir haben Sie im Krankenhaus natürlich nicht allein gelassen. Es war allerdings schwierig zu organisieren. Wir waren damals erst zwei Tage zuvor in unser Häuschen umgezogen, wo natürlich noch eine Menge zu erledigen war. Überall stapelten sich die Kartons, und Lenas Geschwister (Jonas, damals 4 Monate und Annika, damals 5 ¾ Jahre) wollten auch versorgt werden und die neue Umgebung kennenlernen, und Martin, mein Mann hatte viel Streß im Büro.

Das "Praktische" hatten wir relativ schnell intus. Messen, BE`s schätzen und Insulin aufziehen waren kein Problem, das Spritzen allerdings ging schon damals nur mit zweiter Person zum Festhalten. Etwas Vorbildung war bei uns beiden vorhanden. Ich war über 10 Jahre ehrenamtlich als Rettungssanitäter beim Deutschen Roten Kreuz in Dortmund im Einsatz und Martin war bei derselben Organisation als Rettungshelfer ausgebildet worden.

Die Schulung bestand aus 6 oder 7 mal etwa eine Stunde und befaßte sich nur mit dem Allernötigsten.

In der Klinik wurde uns das Jan-Buch empfohlen. Das ist ein informativer, schneller, gut zu lesender Einstieg. Darauf aufbauend haben wir uns das Buch Insulinabhängig von Dr. Kinga Howorka besorgt. Um sicher zu gehen, daß wir auch "Insider"-Infos in die Überlegungen mit einbeziehen können, haben wir das ärztliche Fachbuch von Prof. Hürter Diabetes bei Kindern und Jugendlichen gelesen. So, jetzt hatten wir schon eine recht gute und informative Übersicht über den DM.

Das war auch ganz wichtig, weil Lena sich in kein Eßschema pressen ließ. Sie verweigerte sich einfach. Unsere erste Reaktion war: Auffüllen mit Süßigkeiten, natürlich war das auf die Dauer gesehen nicht sinnvoll. Unsere Nachfragen bezüglich BE-Faktor oder Korrektureinheiten verliefen wegen fehlender Erfahrung in dieser Altersgruppe im Sand. Also wurden wir Experten im Experimentieren.

Wir haben auf Humalog® umgestellt, so daß Lena essen konnte, was sie wollte (im gesunden Rahmen). Wir haben nachher geschätzt oder das Nichtgegessene gewogen und so das Gegessene berechnet und dann gespritzt.

Das Problem des relativ starren Eßschemas hatten wir damit gelöst, aber es gab noch genügend andere, durchaus schwerwiegende Probleme:

Wir hatten uns auch über Fachzeitschriften und über das Internet weiter informiert. Der Diabetes-Info-Server www.diabeticus.de ist sehr zu empfehlen.

Nach Abwägen aller uns zugänglichen Informationen drängte sich eine Insulinpumpe förmlich auf. Wenigstens einen Versuch sollte es wert sein!. Wir dachten dabei an folgende Vorteile:

Nach einer Erkrankung hatte sich Lenas Insulinbedarf deutlich erhöht. Jetzt sind wir (endlich) in eine Fachklinik für Diabetes (Herz- und Diabeteszentrum in Bad Oeynhausen) gegangen. Heute wissen wir, dass man bereits bei der Erstmanifestation in eine Fachklinik gehen sollte. Es sind nur Spezialisten am Werk, die Schulungen sind ausführlicher, informativer und individueller zugeschnitten. Man ist nicht "nur" der Diabetes-Fall neben todkranken Kindern sondern wird mit der Krankheit ernstgenommen.

Im Erstgespräch haben wir dann auch unsere Gedanken zur Pumpe ausführlich geäußert. Und siehe da... der dortige Kinder-Diabetologe Dr. Klinkert wollte den Versuch mit uns wagen.

Dann kam der große Tag:
Katheter legen war ungefähr so schlimm wie eineinhalb mal Spritzen.

Wie geht Lena jetzt mit der Pumpe um? Akzeptiert sie sie als Hilfe?

Natürlich habe ich Lena vorher laienhaft "psychologisch vorbereitet". Ganz wichtig! und sehr erfolgreich! Lena bewegte sich sofort ganz normal und genoß sichtlich die freie Mahlzeit ohne Spritze. Für den Nachmittag habe ich ein Spielprogramm vorbereitet, zur Ablenkung. Das war gar nicht schwierig, denn es wird in der Klinik viel für Kinder angeboten. Sie kletterte, krabbelte, rannte, und... ich hielt (für Lena unsichtbar) die Luft an ... Sie zog sich bäuchlings auf einer Bank nach vorne. Nichts! Keine negative Reaktion. Pffff....

Am Abend war ich darauf vorbereitet, dass Lena die Pumpe wenigstens als Verzögerung für das Zubettgehen einsetzt. Nichts! Kein Wort! Ich konnte es fast nicht fassen. Ich war ja schon optimistisch gewesen, aber Lena hat mich vollkommen in den Schatten gestellt.

Natürlich gab es danach auch Schwierigkeiten. Pflaster ablösen, Katheter legen, aber das passiert ja nur alle zwei Tage.

Auf Empfehlung von Dr. Klinkert verwenden wir den Disetronic® Tender Insulinkatheter, weil dieser

 

Die Pumpe selber und der Katheter stören Sie in der Regel nicht. Wir haben uns natürlich Gedanken gemacht, wie wir die Pumpe sichern. Die Minimed 507c- Pumpe hat keine hervorstehenden Knöpfe, die zum Spielen einladen. Die Neoprentasche umschließt die Pumpe vollständig, der Reißverschluß ist zusätzlich mit einem sehr strammen Druckknopf gesichert. Es muß immer eine Kombination von drei Tasten gedrückt werden, um eine Funktion auszulösen. Wir wollten die Tasche zuerst mit einem kleinen Schloß sichern, aber Lena zeigte einen sehr verantwortungsbewußten Umgang mit ihrem "Pumpinchen", so daß wir jetzt darauf verzichten. Lena weiß, was sie an ihr hat.
Demnächst wird dieses Problem durch die neue MiniMed 508 mit Kindersicherung gelöst sein.

Seit fast einem halben Jahr ist Pumpinchen jetzt bei uns. Keiner möchte sie mehr missen. Unser Leben ist "ent-diabetisiert" worden . Ein "Befreiungsschlag" schlechthin. Die Lebensqualität bei allen (denn die ganze Familie hat mitgelitten) ist stark gestiegen. Und der HBA1c Wert ist stark gesunken. Zuletzt lag er bei 5,8 % (Normbereich bis 4,9 %). Ohne schwere Unterzuckerungen, aber mit einem normalen Süßigkeitenkonsum und absolut freier Kost.

Die Pumpe ist sicherlich nicht das Allheilmittel für jedes Kind und jedes Elternpaar. Aber eine wunderbare Alternative, die wenigstens bekannt sein sollte. Ich hoffe, daß dieser Artikel dazu beiträgt.

E.M.Sch. Okt.2000


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