
Ende 1990 war ich nach 20 Diabetesjahren in die ICT eingestiegen und seitdem hatten sich meine HbA1c-Werte zwischen 7 und 8 bewegt. "Was wollen Sie denn, 7.5% ist doch ein guter Wert", hatte mir früher mal ein Internist gesagt, aber ich hatte aus meiner ICT Schulung etwas andere Erkenntnisse! Seit Mitte 94, nach ambulanter Schulung mit Insulinpumpe (H-TRON V100) ausgerüstet, wartete ich - leider vergeblich - auf bessere HbA1c-Werte.
Bei meinen schwankenden BZ-Werten von 40 - 300mg% hatte
ich noch nie eine Systematik feststellen können: Mal war ich morgens
bei 80mg%, so waren es nach dem Frühstück schon wieder 300mg%, mal
mittags bei 80mg%, pp - 300mg% oder pp normal, mal mittags bei 160mg%,
pp - normal, mal morgens bei 250mg%, pp - normal, später
Unterzuckerung... usw.
Ich konnte so ziemlich alle Varianten
vorweisen aber mir keinen Reim drauf machen. Auch von den Spezialisten
kam spontan keine plausieble Erklärung. Sehr intensiv nachgefragt
hatte ich allerdings nie. Es geht bei mir eben nicht anders und nicht
besser, dachte ich, und habe dann versucht, mich damit zu
arrangieren.
Ich benutzte damals das H-Tronin 100, fühlte mich damit aber nicht wohl.
Ohne Unterzuckerungsanzeichen war mir ein paar mal fast schwarz vor Augen.
Das Insulin zu wechseln hätte jedoch bedeutet:
Umfüllen - Arbeit!
Äh! Nee! Keine Lust, Faulheit siegt!
Dies änderte sich, als ich eines pumpenfreien Tages mein "altes" U40er Insulin spritzte. Die Unterzuckerungsanzeichen tauchten wieder auf, ich fühlte mich insgesamt wohler und sicherer damit. Nachdem ich Anfang 97 dann noch ein weiteres "Unterzuckerungserlebnis" mit dem H-Tronin hatte, wagte ich es endlich, U40-Insulin in die H-TRON V 100 zu füllen! Auch wegen meines geringen Tagesbedarfs von <30IE/Tag versprach ich mir von dieser Variante Vorteile.
Nach einer heftigen Keto bei einem BZ von etwa 160mg%, der Beschäftigung
mit dem Thema "Lipolyse" sowie intensiver Protokollführung über etwa 2-3
Monate sah ich dann endlich die Zusammenhänge. Aber erst nachdem ich die
Protokolle mindestens 30mal angesehen hatte.
Meine hohen pp-Werte gingen offenbar mit einem Insulinmangeleffekt einher!
Also, einfach konsequent auf alle Mahlzeiten verzichten und schon läuft's
bestens! Leider keine gute Lösung!
Natürlich wußte ich über Insulinmangel Bescheid, aber ich hätte nie erwartet, daß bei funktionierender Pumpe, ausreichender Basiseinstellung ohne wesentlichen BZ-Anstieg und bei einigermaßen sicher abgeschätzten und abgedeckten BEs solche drastischen Effekte auftreten.
Da ich mit dem U40-Insulin keine Angst mehr vor einer Unterzuckerung hatte, habe ich daraufhin meine Basalrate deutlich erhöht, und meinen Bolusfaktor entsprechend gesenkt. So konnten die Schwankungen insgesamt jetzt flacher verlaufen und sind viel leichter abzufangen. Auch die hohen pp-Werte sind weg!
Nie hätte ich geglaubt, daß es auch bei mir möglich ist: Meine HbA1c-Werte sind seit gut einem Jahr im Normalbereich (d.h. <6%, auch ohne Protokollführung) und ich fühle mich wohl dabei. Seit Mai 98 übrigens mit einer H-TRON V40, da ich die ewige Piepserei und Rechnerei bei U40 Insulin in der V100 am Ende doch leid war!
Humalog ist für mich auf Grund der derzeitigen Diskussionen und wegen eventuell erhöhter Keto-Gefahr zur Zeit keine Alternative.
Schade, daß es nicht U40-Ampullen für Pen und Pumpe gibt.
B.K.